Michael Braun bespricht Mütze #11

Ein elegantes Spiel mit einem Klassiker der Kunstgeschichte betreibt in der neuesten Ausgabe, der Nummer 11 der Literaturzeitschrift „Mütze“ der Dichter und Übersetzer Christian Filips. Er hat Gedichte des Renaissance-Genies Michelangelo ausgegraben, die den Maler und Bildhauer nicht als Heros formvollendeter Kunst zeigen, sondern als Experten für das Obszöne, Unflätige und Rohe. Michelangelo selbst, so Filips, habe die Vorstellung des erhabenen Künstlers und Schöpfergotts ausgehebelt – durch Lässigkeit. So heißt es in einem Gedicht in frivoler Schnoddrigkeit: „Vorm Hause liegt der Unrat von Giganten; / Wer Trauben oder Abführmittel fraß, / Scheißt hier herum und kotzt an alle Kanten. // Die Seele hat vom Leib dieses Vergnügen: / Er könnte sie, wenn sich der Darm entleert, / Auch nicht mit Käs und Nudeln wieder kriegen.“

http://www.poetenladen.de/michael-braun-zeitschriftenlese-april16.htm