Die Worte werden zu uns. Guido Graf schreibt bei „Pfeil und Bogen“ über Robert Kelly

„Soziale Poetik ist das Geschäft der Dichtung. Es geht gar nicht anders. Die Sprache, so Robert Kelly in der Mütze, ist ‹der Andere in unserem eigenen Mund›. Wenn dieser Andere nicht spricht, gibt es keine Dichtung. Die Sprache der Dichtung lässt Dichter und Dichterinnen sprechen. […] Die Subversion der sozialen Poetik, die politisch nicht dadurch ist, dass sie tönt, sondern Verbindungen auflöst und neue schafft, indem sie weitermacht, nicht mitmacht, zuhört, vervielfacht, durch stille Post, durch das, was die Dichtung nicht weiß, sondern was sie sich sagen lässt. Kelly nennt auch das Lassen, dieses lose Wort in seiner doppelten Ausrichtung von Erlauben und Verhindern. Dieser Widerstand, der nicht aufzulösen ist. Oder der, wo er aufgelöst wird, Dichtung nicht mehr zulässt. Der Widerstand der sozialen Poetik ist inhärent, als konstituierende Überraschung. Die Dichtung sagt etwas, von dem sie weiß, dass sie es nicht weiß. Undsoweiter. Eine ausweglose Offenbarung. Das Zuhören, das Überraschen, das Vervielfachen – alles gilt dem Anderen. Das Ich und der Andere machen, wenn es etwas wird, weiter. Zusammen und gegeneinander, als Komplizen des Selbst. ‹Die Worte werden zu uns.› Wenn die Subjektivierung dergestalt objektiviert wird, verändert das was, lässt etwas wachsen.“

Der ganze Text von Guido Graf steht hier bei „Pfeil und Bogen“.

Guido Graf arbeitet am Institut für literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim, wo er unter anderem litradio.net betreut und Mitherausgeber der literarischen Revue Pfeil und Bogen ist.

 

https://pfeil-undbogen.de/die-worte-werden-zu-uns/

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